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Einbruchschutz für die eigenen vier Wände

Maskierter Einbrecher hält eine Taschenlampe © Photographee.eu / Fotolia.com

Maskierter Einbrecher hält eine Taschenlampe © Photographee.eu / Fotolia.com

Gelegenheit macht Diebe

Nicht nur vor Witterungsunbilden suchen wir im Haus Schutz, auch uns selbst und unser Eigentum wähnen wir dort sicher. Dabei wissen wir nur zu gut: Seit dem es Häuser gibt, seitdem wird auch eingebrochen. Trotz technischem Fortschritt – auch heute kann ein absoluter Einbruchschutz nicht gewährleistet werden. Wir können nur versuchen, uns so gut wie möglich vor Einbrüchen zu schützen. Oft reichen schon wenige Maßnahmen, um das Gebäude für Einbrecher uninteressant oder zumindest uninteressanter zu machen.

Auf die Gelegenheit kommt es an

Häuser, die alleine und weitab von einer Ansiedelung stehen, sind besonders gefährdet. Insofern beginnt Einbruchschutz bereits beim Kauf des Grundstücks. Abgelegenheit alleine kann jedoch die vielen Einbruchsdelikte, gerade in städtischen Bereichen nicht erklären. Es gibt Einbrüche, die geplant und lange vorbereitet sind. Doch der größte Teil der Wohnungseinbrüche geschieht eher spontan. Das besagen zumindest Polizeistatistiken. Die Gelegenheit ist entscheidend,  in ein Haus eindringen zu können.

Haus vor einem Einbruch schützen © Robert Kneschke / Fotolia.com

Haus vor einem Einbruch schützen © Robert Kneschke / Fotolia.com

Eindringlinge lieben Sichtschutz

Hohe Hecken bilden oft die Grundstückseinfriedung. Diese sollen Bewohner vor allzu aufdringlichen fremden Blicken bewahren. Sie bieten aber auch ausreichenden Sichtschutz für unbefugte Personen. Das kann das Risiko eines Einbruchs erheblich erhöhen. Schwachpunkte können auch sichtgeschützte Lichtschächte oder Nebeneingänge sein, wie etwa Kellerabgänge. Meist sind Nebeneingänge und Kellertüren nur unzureichend gegen gewaltsames Öffnen geschützt und bieten so ungebeten Gästen nur einen geringen Widerstand.

Gerade bei verdeckt angeordneten Nebeneingangstüren ist auf eine Mehrfachverriegelung zu achten. Einfache Kellertüren verriegeln meist nur im Bereich des Türschlosses. Die obere oder untere Ecke des Türblattes hingegen kann leicht aufgehebelt werden. Bei einer Mehrfachverriegelung sollten mindestens die Türblattecken gesichert sein.

Präsenz der Bewohner schreckt ab

Oft reicht es bereits, das Haus bewohnt und belebt darzustellen. Postansammlungen in Briefkästen sollten gerade in der Urlaubszeit vermieden werden. Bei einsetzender Dunkelheit helfen heute auch technische Steuereinheiten, die in unterschiedlichen Intervallen Licht in einzelnen Räumen an- und ausmachen. Solche „Lichtspiele“ irritieren und wirken daher oft präventiv. Überhaupt ist helles Licht für Einbrecher ein erhöhtes Risiko entdeckt zu werden. Die Anwendung von Bewegungsmeldern in Verbindung mit hellem Licht verunsichert Eindringlinge und trägt somit zur Sicherung des Hauses bei.

Leichtsinn häufige Einbruchsursache

Häufig ist es die Leichtsinnigkeit der Hausbewohner, die es Einbrechern leicht macht, in ein Gebäude einzudringen. Insbesondere in den Sommermonaten werden Fenster und Terrassentüren zum Lüften geöffnet, ohne dass sich jemand im Zimmer aufhält. Moderne Lüftungen können hier von Vorteil sein. Bei konsequenter Anwendung der Lüftungstechnik bleiben die Öffnungselemente in der Gebäudehüllfläche verschlossen. Ein Einbruch ist somit nur mit Gewalt möglich. Fenster und Türen sollten gerade im Erdgeschossbereich nur geöffnet sein, wenn die entsprechenden Räume auch zeitgleich genutzt werden. Trickbetrüger locken die Bewohner gerne an die Haustür, während ein Komplize über die Gebäuderückseite in die Wohnung eindringt.

Der aus Film und Fernsehen bekannte Checkkartentrick funktioniert tatsächlich oft. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Tür nur zugezogen und auf die Verriegelung über das Schloss verzichtet wurde. Greift der Riegel in das Schloss, kann die Falle nicht mit der Checkkarte zurückgezogen werden und die Tür bleibt geschlossen.

Schwachpunkt Fenster und Türen

Leider ist bei konventionellen Fensterelementen für Einbrecher der erforderliche Gewaltaufwand nur relativ gering. Mit einem größeren Schraubendreher oder einem einfachen Stemmeisen können die meisten Fenster sehr schnell aufgehebelt werden. Fensterhersteller bieten bereits gegen einen geringen Aufpreis Aushebelsicherungen für Fenster und Türen an, die ein einfaches Aufhebeln behindern.

Bei Einbrechern beliebt ist das „Glasstechen“. Hierbei wird meist ein Schraubenzieher unmittelbar im Bereich der Fensterverriegelung am Glasrand angesetzt und durch das Glas gestoßen. Die Scheiben werden dann mittels Hebelarm nach innen gedrückt, bis der Griff zum Beschlag erreichbar ist. Am Markt erhältliche Kunststofffolien, die auf die Scheiben aufgebracht werden können, bringt keine reale Verbesserung. Durch Austausch der Fensterscheiben können bestehende Fenster meist mit einer einbruchhemmenden Verglasung aufgerüstet werden. Sollte eine solche Umrüstung nicht möglich sein, so empfiehlt sich hier die Erneuerung des gesamten Fensterelementes.

Ebenso wie Nebeneingangstüren sollten Haustüren mit einer Mehrfachverriegelung ausgestattet sein. Für ältere Haus- oder Wohnungszugangstüren bietet sich kostengünstig eine Aufrüstung mit einer Vorhängekette oder einem stabilen Türriegel an.

Widerstandsklassen beachten

Für Einbrecher ist maßgebend, wie schnell sie ins Gebäude eindringen können. Erfahrungen zeigen, dass sie den Einbruchsversuch wahrscheinlich abbrechen, wenn er ihnen nicht innerhalb von 3 bis 5 Minuten gelungen ist. Beim Neubau oder bei der Umrüstung von Fenster und Türen sollte deshalb auf die „Widerstands-Klasse“ geachtet werden. In der technischen Norm werden Widerstandsklassen, Widerstandszeiten – das ist die Zeit, die ein Produkt einem Einbruch standhält -,  Tätertypen und die Vorgehensweise definiert. Die Widerstandsklassen werden seit September 2011 mit „RC“ für „resistance class“ bezeichnet. Eine gute Wahl trifft, wer Produkte mit Widerstandsklasse RC 2N oder besser einbaut. (siehe Tabelle)

Elektronische Sicherungssysteme nutzen

Abschreckend wirken vor allem Alarmanlagen, die sowohl akustisch als auch visuell einen Eindringling melden. Gleichzeitig sollte automatisch eine Meldung an die Polizei oder eine andere dauerhaft besetzte Kontaktstelle geleitet werden. Es besteht die Möglichkeit, über Kameras im Haus die Räumlichkeiten direkt zu überprüfen. Die Kameraaufschaltung muss jedoch zunächst autorisiert werden. Zur Prophylaxe gegen unerwünschte Besucher empfiehlt sich eine optische Zugangskontrolle. Früher bestand diese Kontrolltechnik aus einem Türspion. Heute bieten sich Türsprechanlagen mit Videokontrolle an. Empfohlen werden aus Gründen der Kriminalermittlung Geräte, die automatische Aufzeichnungen vornehmen. Im Bedarfsfall kann so entsprechendes Fotomaterial zur kriminaltechnischen Ermittlung verfügbar gemacht werden.

Dipl.-Ing. Ralf Baureis, Bauherrenberater des Bauherren-Schutzbund e.V.

Dipl.-Ing. Ralf Baureis, Bauherrenberater des Bauherren-Schutzbund e.V.

Gut beraten lebt sich sicherer

Für private Bauherren und Hauseigentümer bietet die örtliche Polizei einen Beratungsservice an, wie die eigenen vier Wände sinnvoll vor Einbruchsversuchen geschützt werden können. Bei bestehenden Objekten, wird die Beratung auch vor Ort durchgeführt. Wer neu bauen will, sollte sich möglichst vor Abschluss von Bauverträgen einschlägig informieren, um bei der Verhandlung zur Bau- und Leistungsbeschreibung die gewünschten Standards vereinbaren zu können. Wissenswertes finden Interessenten auch im BSB-Ratgeber „Sicherheits-Check für das eigene Haus“, der auf der Internetseite www.bsb-ev.de verfügbar ist.

Widerstands-Klasse

Widerstands-Zeit

Tätertyp / Vorgehensweise

RC 1 N (neu)

Nur statische u. dynamische Prüfung, keine manuelle Prüfung

Bauteile der Widerstandsklasse weisen einen begrenzten, bis geringen Grundschutz gegen Aufbruchversuche mit körperlicher Gewalt (vorwiegend Vandalismus) wie Gegentreten, Gegenspringen, Schulterwurf, Hochschieben und Herausreißen auf. Zudem wird ein max. 3 Minuten langer zerstörungsfreier Manipulationstest mit Kleinwerkzeugen zur Demontage von außen abschraubbarer Komponenten als Vorbereitung der weiteren Prüfungen durchgeführt. Fenster der Klasse RC 1 N werden gegebenenfalls bei erhöhtem Einbau (bspw. Im Obergeschoss)  eingesetzt, wenn mangels Standfläche eine Aufstieghilfe erforderlich ist. Die Klasse wird lediglich mit Standardglas ausgeführt.

RC 2 N (neu)

3 Minuten

Gelegenheitstäter versucht, zusätzlich mit einfachen Werkzeugen, wie Schraubendreher, Zange und Keil, das verschlossene und verriegelte Bauteil aufzubrechen. Ein direkter Angriff auf die Verglasung ist nicht zu erwarten.

Diese Klasse wird lediglich mit Standardfensterglas (keine Sicherheitsverglasung) ausgeführt.

RC 2  (alt WK 2)

3 Minuten

Gelegenheitstäter versucht, zusätzlich mit einfachen Werkzeugen, wie Schraubendreher, Zange und Keil, das verschlossene u. verriegelte Bauteil aufzubrechen.

Eine Verglasung nach DN 356 ist ab der Klasse RC 2 vorgeschrieben !

RC 3  (alt WK 3)

5 Minuten

Der gewohnt vorgehende Täter versucht zusätzlich mit einem zweiten Schraubendreher und einem Kuhfuß das verschlossene und verriegelte Bauteil aufzubrechen.

RC 4  (alt WK 4)

10 Minuten

Der erfahrene Täter setzt zusätzlich Säge- und Schlagwerkzeuge, wie Schlagaxt, Stemmeisen, Hammer u. Meißel, sowie eine Akku-Bohrmaschine ein.

RC 5  (alt WK 5)

15 Minuten

Der erfahrene Täter setzt zusätzlich Elektrowerkzeuge, wie Bohrmaschine, Stich- oder Säbelsäge und Winkelschleifer mit einem max. Scheibendurchmesser von 125 mm ein.

Zusätzlich zur Klassifizierung nach EN 356 muss die Verglasung den direkten Angriff während der RC 5-Prüfung bestehen.

RC 6  (alt WK 6)

20 Minuten

Der erfahrene Täter setzt zusätzlich leistungsfähige Elektrowerkzeuge, wie Bohrmaschine, Stich- oder Säbelsäge und Winkelschleifer mit einem max. Scheibendurchmesser von 250 mm ein.

Zusätzlich zur Klassifizierung nach EN 356 muss die Verglasung den direkten Angriff während der RC 6-Prüfung bestehen.

 

Einbruchschutz für die eigenen vier Wände
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