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Veränderte Umwelteinflüsse bei privaten Bauvorhaben im Blick haben

Haus im Hochwasser Foto: philhol - Fotolia
Haus im Hochwasser Foto: philhol - Fotolia

Klimawandel, Treibhauseffekt, Erderwärmung, Gletscherschmelze, Starkregen und Überschwemmungen, Wetterphänomen wie El Ninjo – wie sieht die Zukunft aus? Vor nicht allzu langer Zeit wurde hierüber vor allem in der Fachwelt diskutiert. Heute bewegen diese Fragen zum Klimawandel Viele. Dabei sind es nicht nur die großen und katastrophalen Ereignisse, die uns das Thema Klimawandel ins Bewusstsein rufen. Auch in unserer unmittelbaren Umgebung werden die Auswirkungen immer öfter und deutlicher sichtbar.

Entwicklungen, Tendenzen, Szenarien

Als der Club of Rome 1972 in seinem aufsehenerregenden Bericht „Limits to Growth“ auf Grenzen des Wachstums und die möglichen Auswirkungen auf die Umwelt hingewiesen hatte, geschah lange Zeit nichts. Im Jahr 1988 bildete sich mit dem IPCC eine UN-Organisation, um dem Phänomen des Klimawandels wissenschaftlich auf den Grund zu gehen. Dieses wissenschaftliche, zwischenstaatliche Gremium wurde von der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) ins Leben gerufen. Als Auswirkungen des Klimawandels in unseren Breiten verweisen der IPCC wie auch weitere Quellen auf folgendes mögliche Szenario: Niederschläge im Sommer gehen zurück. Die Winter werden schneeärmer, wärmer und feuchter. Es wird mehr regnen und dadurch die Hochwassergefahr steigen. Die Sommer sind durch Hitze und Trockenheit gekennzeichnet. Die Landwirtschaft wird unter der Trockenheit leiden. Pilze und Schadinsekten haben dadurch ein leichteres Spiel. Wir alle müssen uns auf solche möglichen Entwicklungen einstellen, auch wer ein Haus bauen oder erwerben möchte oder schon Eigentümer einer Immobilie ist.

Handlungsrahmen für private Bauherren

Mit Gesetzen, Verordnungen und Normen ist der Handlungsrahmen für private Bauherren abgesteckt. Erst kürzlich im Mai ist die novellierte Energieeinsparverordnung (EnEV 2014) in Kraft getreten. Sie legt unter anderem fest, dass bei Neubauvorhaben ab 1.1.2016 der Primärenergiebedarf im Vergleich zum heutigen Standard um 25% zu reduzieren ist. Auch die Energieverluste über die Gebäudehülle sind zu senken. Im Energieeinsparungsgesetz und im Erneuerbare Energien Wärmegesetz (EEWärmG) ist bereits angelegt, dass sich die Entwicklung hin zu immer geringeren Primärenergiebedarfen, sinkenden Energieverlusten und dem vermehrten Einsatz regenerativer Energiequellen auch in den nächsten Jahren fortsetzen wird. Die Reduzierung des CO2-Ausstoßes und die Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden sind nur eine, wenn auch wichtige Aufgabe. Auch der Schutz vor Überschwemmungen, Stürmen, Hagel und Starkregenereignissen sollten in der öffentlichen Bauleitplanung und in der individuellen Gebäudeplanung berücksichtigt werden. In diesem Zusammenhang hat sich in den letzten Jahren auch bei der Normung einiges getan. So wurden Normen (DIN) verschärft – unter anderem solche, die Lastannahmen für Schnee und Wind festlegen. Für die Erdbeben gefährdeten Zonen Deutschlands wurde die Erdbeben Norm angepasst. Darüber hinaus gibt es für private Bauherren aber auch individuelle Gestaltungsspielräume. Eigene Ziele und Vorstellungen zu definieren, lokale Anforderungen und Besonderheiten zu berücksichtigen, im Gespräch mit Planern und Hausanbietern über Realisierungsmöglichkeiten zu diskutieren, ist wichtig. Je nach Standort und Lage des geplanten Gebäudes können zusätzlich zur „normalen“ Planung ganz unterschiedliche Aspekte zu beachten sein.

Gegen Hochwassergefahren wappnen

Gegen Hochwasser ist in gefährdeten Gebieten umfassender Schutz individuell nur bedingt möglich. Sicher hat es jeder der neu baut selbst in der Hand, ob er sein Haus auf überschwemmungsgefährdeten Flächen errichtet oder dort eine Immobilie erwirbt. Bei Neubauvorhaben in Gebieten mit erhöhter Hochwassergefahr ist bereits bei der Planung besonders sensibel auf ausreichenden und den möglichen Hochwasserschutz zu achten. Das beginnt mit der Wahl der Baustoffe und der Bauweise. Gebäude in Massivbauweise haben im Vergleich zum Holzständerbau deutliche Vorteile. Mauerwerkswände lassen sich nach einem Hochwasserschaden leichter trocknen und sanieren. Ausgefachte Holzwände hingegen mit ihrer Dämmfüllung machen da erhebliche mehr Probleme. Auch sollte bei der Planung in solchen Regionen wohl überlegt werden, ob der Bau eines Kellers notwendig ist und wie gefährdete Räume im Keller und im Erdgeschoss der Bedrohungssituation entsprechend genutzt werden.

Gebäudeabdichtung besondere Aufmerksamkeit schenken

Erhöhtes Augenmerk ist der Abdichtung des Gebäudes zu schenken, insbesondere im Kellerbereich. Auch auf eine ausreichend dimensionierte Regenwasserentwässerung ist zu achten. Das Regen- und Oberflächenwasser soll schnell und schadenfrei abgeleitet werden und nicht in den Baukörper eindringen. Auch bei bereits bestehenden Gebäuden ist die Funktionsfähigkeit der Entwässerungsanlage zu sichern. Dazu gehört zum Beispiel die regelmäßige Wartung der Regenrinnen und Abflüsse. Rückstau gefährdete Räume, insbesondere Keller, sollten durch funktionsfähige Rückstauklappen oder auch Hebeanlagen geschützt sein. Dies fordern insbesondere auch Gebäudeversicherer, soll eine erweiterte Elementarschadenversicherung gegen Starkregen und Rückstauschäden vereinbart werden.

Sturmschäden am Dach vorbeugen

Aufgrund der Zunahme von Unwettern und deren Heftigkeit wurde die Windsogsicherung von Dacheindeckungen bereits vor Jahren Pflicht. Auch Solarmodule als Teil der Dacheindeckung sind da eingeschlossen. Bereits beim Bau ist die korrekte Sicherung zu planen und zu kontrollieren. Wie steht es aber bei Gebäuden im Bestand um die nachträgliche Montage von Sturmhaken und -sicherungen am Dach? Oft wird sie vernachlässigt, obwohl die nachträgliche Montage möglich und wichtig ist. Sie sollte fachmännisch geplant und ausgeführt werden. Die Arbeiten können genutzt werden, um die gesamte Dachsituation einmal gründlich zu prüfen. Das Dachdeckerhandwerk verweist auch auf Reserven und Nachlässigkeiten bei der regelmäßigen Überprüfung und Wartung des Daches und seiner Komponenten. Anstelle der oft unzureichenden Sichtprüfung, ist ein fachlich geeignetes Unternehmen damit zu beauftragen, das seine Prüfung entsprechend protokolliert.

Hitzestress und sommerlicher Wärmeschutz

Die Temperaturerhöhung stellt einen zusätzlichen Stress in Wohn- und Geschäftsgebäuden für die dort aktiven Menschen dar. In Hitzeperioden führt die natürliche Nachtlüftung, die sowieso nur in geringem Maße und kurze Zeit möglich ist, nur noch zu geringer Abkühlung. Damit wird es schwieriger, mit konventionellen und einfachen Mitteln wie beispielsweise Rollläden eine Überhitzung zu vermeiden. Die zusätzliche Kühlung mit einer Klima- oder Lüftungsanlage hingegen benötigt wieder Energie, die ihrerseits zu weiteren CO2-Emmisionen und auch Kosten führt, wenn sie nicht regenerativ bereitgestellt werden kann.

Bei Neubauten wird spätestens mit der EnEV2014 ein erhöhtes Augenmerk auf den sommerlichen Wärmeschutz gelegt. Sollen dafür zum Beispiel Sonnenschutzgläser mit niedrigem Energiedurchlassgrad genutzt werden, kann dies bedingt durch die geringere Nutzung der Sonneneinstrahlung dem geplanten energetischen Niveau des Hauses zuwiderlaufen. Zum einen sollen viele solare Gewinne genutzt werden, zum anderen die Sonnenwärme zu keiner Überhitzung des Raumes führen. Diese Aspekte sind beispielsweise bei der Planung und Nachweisführung zu beachten, besonders wenn KfW-Effizienzhäusern gebaut werden sollen.

Trockenphasen und lästige Plagegeister

Bei längeren Hitzeperioden und damit verbundenen Trockenphasen kommt es zu einem Absenken des Grund- und Oberflächenwasserspiegels. Dies führt auch zu einer Reduktion des Wassergehalts in den verschiedenen Bodenschichten. Je nach Feuchteempfindlichkeit und Bodenart kann dies zu einer Änderung des Bodengefüges führen und sich zum Beispiel in Form von Setzungen an Gebäuden manifestieren. Hierdurch können Schäden in verschiedenen Ausmaßen möglich werden.

Auch so genannte „weiche“ Faktoren verdienen Beachtung. Einfache Fliegengitter an den Fenstern und Türen helfen, die zunehmenden lästigen Plagegeister, die durch die Erwärmung und milden Winter bereits verstärkt auftreten können, abzuhalten. Auch die Gefahr der Vermehrung bzw. des vermehrten Auftretens von Materialschädlingen ist nicht zu unterschätzen – zum Beispiel Pilze, die letztendlich Hölzer angreifen können.

Nicht auf globale Lösungen warten

Elinor Ostrom, eine amerikanische Politikwissenschaftlerin, die im vergangenen Jahr den Nobelpreis für ihre kollektiven Umweltschutzmaßnahmen erhalten hat, sagt zutreffend: „Wir müssen uns von der Idee verabschieden, dass es nur eine Lösung auf globaler Ebene gibt“. Um den Anforderungen des Klimawandels gerecht zu werden müssen insbesondere auf lokaler und regionaler Ebene verschiedene Akteure zusammenarbeiten. Gerade die öffentliche Hand sollte verschiedene Anreize und Förderakzente setzen, um Anpassungsprozesse zu generieren, die auch die regionalen Besonderheiten berücksichtigt. Unabhängig davon ist jeder Immobilienbesitzer im eigenen Interesse aufgefordert, alle Möglichkeiten der Vorsorge und Anpassung seines Gebäudes an klimatische Herausforderungen zu nutzen. Bei der Neubauplanung wie auch bei Sanierungsmaßnahmen im Bestand sollte es selbstverständlich werden, Aspekten des Klimawandels und der lokal möglichen Gefahren besondere Aufmerksamkeit zu schenken.

Dipl.-Ing. Marc Förderer, Bauherrenberater des Bauherren-Schutzbund e.V.
Dipl.-Ing. Marc Förderer, Bauherrenberater des Bauherren-Schutzbund e.V.

Quelle: Bauherren-Schutzbund e.V.

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