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Hausbau-Tipps

Bauqualität

May Andreas BSB
May Andreas BSB

In kaum einer anderen Branche wird so häufig über Qualität gesprochen wie in der Baubranche. Das hat gute Gründe. Nach einer kürzlich veröffentlichten Gemeinschaftsstudie von BSB, AIA AG und Institut für Bauforschung e.V. haben sich die durchschnittlichen Bauschadenkosten von 33.000 € im Jahr 2002 auf 67.000 € im Jahr 2013 erhöht. Werden private Bauherren nach ihren größten Risiken und Konfliktsituationen befragt, so nennen nach aktuellen Meinungsumfragen des BSB 68 Prozent Abweichungen vom Bauvertrag bzw. der Baubeschreibung. Und folgerichtig wünschen sich 82 Prozent der befragten Bauherren unabhängige bautechnische Beratung in einer baubegleitenden Qualitätskontrolle.

Der Begriff „Qualität“ lässt sich unterschiedlich interpretieren. Zum einen kann die Qualität der Ausstattung im Sinne von Komfort und der Verwendung hochwertiger Bauteile gemeint sein. Zum anderen geht es um die handwerklich saubere und vor allem mängelfreie Ausführung der Bauarbeiten. Beides ist eng miteinander verbunden.

Qualität der Planung

Die Ausstattungsqualität wird bereits in der Planung des Bauvorhabens über die Bau- und Leistungsbeschreibung und über die Bemusterung festgelegt. Die Bauherren haben dabei die Möglichkeit, ihre individuellen Gestaltungswünsche mit einzubringen. Das setzt allerdings voraus, dass sie sich selbst Klarheit verschaffen über die gewünschte Bauweise und die Ausstattungsstandards. Baufachlichen Laien fällt das nicht leicht. Die ausführliche Beratung zur Bau- und Leistungsbeschreibung im Rahmen der Vertragsprüfung, wie sie die Bauherrenberater des BSB anbieten, wird daher gern angenommen. In der Qualität der geplanten Baumaterialien und der in der Bau- und Leistungsbeschreibung festgelegten Ausführungsmethoden können Schwachstellen verborgen sein, die nicht ohne fachliche Unterstützung aufgedeckt werden können. Der verständliche Wunsch privater Bauherren, das Traumhaus bestmöglich auszustatten, führt oft zu einer „Ausstattungsinflation“, die sich in zusätzlichen Baukosten und Nachträgen bemerkbar macht. Nicht selten wird das Budget dadurch deutlich überschritten. Die Empfehlung lautet daher, sich ausreichend Zeit für die Bemusterung zu nehmen und die Kosten zu den einzelnen Ausstattungsvarianten abzufragen. So werden Entscheidungsgrundlagen geschaffen, um die gewünschte Ausstattungsqualität mit dem finanziellen Budget in Übereinstimmung zu bringen.

Für die Beurteilung der Qualität der geplanten Baumaterialien ist es wichtig, unabhängige Experten, etwa die Bauherrenberater des BSB, zu Rate zu ziehen.

Durch vorausschauende Planung lässt sich auch das Eine oder Andere so vorbereiten, dass ein späterer Einbau mit wenig Aufwand möglich ist. So empfiehlt sich für den späteren Einbau von Solaranlagen, die Verbindungsleitungen vom Technikraum zum Dach schon im Rohbau vorzusehen. Ebenso sollte für den später gewünschten Kachelofen der Kamin bereits im Rohbau eingesetzt werden.

Qualität der Ausführung

Die Art und Weise der Ausführung vor Ort hat auf die Qualität des Objektes wesentlichen Einfluss. Entscheidend ist nach der Qualifikation des einzelnen Arbeiters auch die Organisation innerhalb des Handwerksbetriebs. Sind die Verantwortlichkeiten auf der Baustelle klar geregelt und ist ein Aufsichtsführender für die Partie eingeteilt, so ist naturgemäß ein hochwertigeres Ergebnis zu erwarten, als wenn die Mitarbeiter sich selbst überlassen arbeiten müssen.

Wichtig für die Qualität bei der Abwicklung eines Bauvorhabens ist die qualifizierte Bauleitung. Ein erfahrener Bauleiter sorgt dafür, dass die Firmen zur richtigen Zeit und in der korrekten Reihenfolge arbeiten. Er sorgt weiterhin für Ordnung und Sauberkeit auf der Baustelle und kontrolliert, ob die ausgeführten Leistungen dem beauftragten Leistungsumfang und den allgemein anerkannten Regeln der Technik bzw. dem individuell vereinbarten Ausführungsweisen entsprechen. Mit der regelmäßigen Anwesenheit der Bauleitung lassen sich alle einzelnen Leistungsschritte überprüfen. Bei fehlerhafter Ausführung kann sehr frühzeitig eingeschritten und gegengesteuert werden. Der Bauleiter kann im besten Falle ein direkt vom Bauherren beauftragter Architekt oder Bauingenieur sein, aber auch ein Bauträger oder ein Generalunternehmer muss zur eigenen Qualitätssicherung die Funktion der Bauleitung qualifiziert besetzen.

Diese Idealvorstellung wird in der Praxis leider allzu oft nicht umgesetzt. Gerade die örtliche Bauleitung von Generalunternehmern ist meist durch eine Vielzahl von gleichzeitig laufenden Baustellen überlastet. Damit werden die Intervalle der Baustellenbesuche größer und die Koordination der ausführenden Handwerker ist drastisch eingeschränkt.

Auch die erforderliche Kommunikation der am Bauprozess Beteiligten lässt so oft zu wünschen übrig. Es erfahren weder die Ausführenden die notwendigen Details oder Änderungswünsche des Bauherren wie auch der Bauherr über Schwierigkeiten auf der Baustelle und notwendige Entscheidungen erst spät oder überhaupt nicht in Kenntnis gesetzt wird. Vermutlich liegt es in manchen Fällen sogar im Interesse der Bauleitung, den Auftraggeber nicht zu informieren, wenn von der vereinbarten Bauweise abgewichen und zu billigeren Materialien und Ausführungsmethoden gegriffen wurde. Die Folgen können gravierend sein. Erhalten Auftraggeber Kenntnis davon, sollten sie auf einer Nachbesserung bestehen. Da dies mit Kosten verbunden ist, geht es in solchen Fällen selten ohne Auseinandersetzung. Erfährt der Auftraggeber nicht davon, wird ihm eine bezahlte Leistung vorenthalten. Im ungünstigen Falle wird dies auch zu Schäden am Bauwerk führen.

Für eine wirkungsvolle Qualitätssicherung ist es erforderlich, zumindest all jene Bauteile zu überprüfen, die durch den weiteren Baufortschritt einer Besichtigung entzogen werden. Beispielhaft kann dafür die Kontrolle des Fußbodenaufbaus und der Verlegung von Fußbodenheizungsleitungen genannt werden, bevor der Estrich gegossen wird. Diesem Grundsatz folgt die vom Bauherren-Schutzbund angebotene Baubegleitende Qualitätskontrolle. Bei acht bis zwölf Baustellenterminen wird bis zur Abnahme die Qualität der Bauausführung baubegleitend kontrolliert. Oft decken sich die Kontrolltermine mit den im Zahlungsplan vereinbarten Zahlungsschritten. Zur Qualitätssicherung hat der Bauherr so einen unabhängigen Sachverständigen als Berater an der Seite. Am besten ist, wenn die Beratung bereits vor Vertragsabschluss mit der eingangs beschriebenen Festlegung der Materialien in der Bau-und Leistungsbeschreibung beginnt und sich in der Bauzeit bis zur Fertigstellung und Abnahme fortsetzt. Damit können Bauherren die Weichen so stellen, dass die bestmögliche Qualität beim Bau des Hauses verwirklicht wird.

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