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Wie beeinflusst Corona den Immobilienmarkt?

Wie beeinflusst Corona den Immobilienmarkt?
Wie beeinflusst Corona den Immobilienmarkt? © freepik.com

Corona scheint vorbei zu sein. Freunde treffen, Shoppen, Restaurantbesuche, sogar der Trip nach Mallorca – alles ist wieder möglich. Nur für Großveranstaltungen bleiben Einschränkungen noch bestehen – und ja, auch der Regelbetrieb in Schulen wird wohl erst nach den Sommerferien allerorts stattfinden. Auch Abstand und Masken zeugen im Alltag noch davon, dass auf SARS-CoV-2 weltweit anders reagiert wurde, als auf andere herkömmliche Viren.

Für die meisten von uns ist die Normalität wieder eingezogen. Es sei denn, Sie gehören zu den rund acht Millionen der 41,4 Millionen Haushalte mit minderjährigen Kindern1. Oder Sie sind wie fast 7,3 Millionen der 33,4 Millionen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten, von Kurzarbeit betroffen². Oder beides. Schon diese Zahlen zeigen, dass Corona nicht vorbei ist. Nicht als Pandemie, und schon gar nicht die wirtschaftlichen Nachwirkungen auf die Lockdown-Maßnahmen.

Zwischen Besorgnis und Zuversicht

Atemschutzmaske
Atemschutzmasken gehören seit Coroa zu unserem Alltag Foto: © freepik.com

Während der letzten drei Monate mit Lockdown, Auslandsrückholung, Kontaktbeschränkungen bis zu ersten und dann fast vollständigen Lockerungen, suchte der überwiegende Teil der Bevölkerung nach Halt und Orientierung. Das Krisenmanagement der Bundesregierung erhielt gute Noten. Laut einer Befragung von Civey aus den ersten beiden Juni-Wochen, zeigten sich 65,3% eher oder sehr zufrieden. Die höchsten Zufriedenheitswerte mit 70,8% verzeichnet Bayern – obwohl, oder gerade weil – hier die Corona-Maßnahmen besonders streng waren.

Deutschland ist im internationalen Vergleich bisher gut durch die Krise gekommen. Unser Gesundheitssystem zeigte sich gut aufgestellt, die Fallzahlen blieben unterdurchschnittlich. Mitte Juni 2020 bestätigte das Robert-Koch- Institut rund 187.000 COVID-19-Fälle, also rund einer von 444 Einwohnern in Deutschland. Die Infektion oder gar die Erkrankung kennen die meisten glücklicherweise nur aus der Berichterstattung.

Dennoch ist die Besorgnis real. Knapp 37% halten die Sorge vor Ansteckung immer noch für das größte Problem der Corona-Pandemie, weit vor der Bedrohung des Arbeitsplatzes (9,8 %) und finanziellen Einbußen (13%)³. Die Stimmung ist also überwiegend positiv. Einen großen Anteil daran haben sicher die vielschichtigen Corona-Hilfspakete, mit denen Bund und Länder mit hunderten Milliarden Euro der Wirtschaft wieder auf die Sprünge helfen wollen. Nun sind wir als Verbraucher gefragt, mit entsprechender Nachfrage den Konsummotor wieder anzukurbeln. Aber Konsum braucht Zuversicht. Eine große Anschaffung wird nur derjenige tätigen, der auf lange Sicht zuversichtlich sein kann, sein Einkommen zu erhalten bzw. wiederzuerlangen. Beschäftigte im Einzelhandel, der Autoindustrie und auch im Hotel- und Gaststättengewerbe gehören eher nicht dazu.

Immobilienbranche trotz Corona

Im Gegensatz zu anderen Wirtschaftszweigen zeigt sich die Immobilienbranchen recht robust, zumindest für den Bereich der wohnwirtschaftlichen Immobilien. Klar, auf neue Möbel, eine Reise oder ein neues Auto kann verzichtet werden, auf Wohnen aber nicht. Natürlich verfiel auch die Immobilienbranche Mitte März in Schockstarre. Immobilieninvestitionen wurden zurückgestellt, insbesondere vermietete Immobilien fanden kaum noch Abnehmer. Interessanterweise schossen die Klickzahlen für Immobilienangebote während des Shutdowns in die Höhe, die Zahl der tatsächlichen Immobilieninteressenten ging aber gleichzeitig deutlich zurück. Die Hamburger Forschungsgesellschaft F+B wertete die Immobilienangebote seit Beginn der Corona-Pandemie aus und zeigt, dass gegenüber der Vor-Corona-Zeit Anfang März das Angebot z.B. an Eigentumswohnungen um bis zu einem Drittel rückläufig war, Ende Mai aber fast wieder das ursprüngliche Volumen erreichte.

Grafik: Berliner Volksbank Immobilien

Die Angebotspreise blieben während des gesamten Zeitraums nicht nur stabil, sondern zeigten im Bundesdurchschnitt sogar nach oben. Ausnahme bilden die Großstädte, die, nach einem Zwischenhoch um Ostern, immerhin fast wieder das Preisniveau von Anfang März abbilden. Dass Berlin im Vergleich rund 4 Prozentpunkte einbüßte, mag auch einer Berliner Besonderheit geschuldet sein: dem Mietendeckel. Denn schließlich stellen vermietete Eigentumswohnungen in der Hauptstadt einen Großteil des Immobilienangebots dar. Auch wenn ein gutes Drittel der durch Civey Befragten von sinkenden Immobilienpreisen ausgeht und gut die Hälfte den Immobilienverkauf während der Corona-Krise für einen schlechten Zeitpunkt hält, bilden dies die aktuellen Angebotszahlen nicht ab. Noch scheint die geringere Nachfrage die wenigsten Anbieter zu veranlassen, mit einer Preisanpassung der sinkenden Verkaufsgeschwindigkeit entgegenzutreten.

Nachhaltige Nachfrageänderungen 

Grafik: Berliner Volksbank Immobilien

Ob die im zweiten Halbjahr 2020 geltende Mehrwertsteuerreduzierung auf 16% einen Nachfrageschub auslösen wird, gilt als eher unwahrscheinlich. Umsatzsteuerpflichtig ist ja (bis auf wenige Ausnahmen) nicht der Immobilienkauf selbst, sondern die Nebenkosten für Makler, Notar und Gerichtskosten. Die Ersparnis bei einer 200.000 Euro teuren Immobilie macht so gerade einmal 480 Euro aus. Die Wunschliste an eine optimale Immobilie ist während der strengen Corona-Maßnahmen noch einmal verlängert worden. Wer im Home-Office arbeitend parallel noch Home-Schooling unterstützen musste, sehnt sich nach einem Zimmer mehr. Auch die intensiver genutzte Küche rückt mehr in den Fokus. Andererseits fielen temporär die Vorteile einer Stadtwohnung weg, als Geschäfte, Restaurants, Cafés und Kultureinrichtungen geschlossen blieben, sodass Außenbezirke und Umlandgemeinden mit niedrigerem Preisniveau und hohem Grünanteil an Attraktivität gewannen.

Je länger der Shutdown zurückliegt, je mehr gewohnte Normalität gelebt werden kann, desto mehr verblassen die Corona-bedingten Erfahrungen und Wünsche, als dass von einem nachhaltigen Trend ausgegangen werden könnte. Inwieweit befürchtete Insolvenzen und Stellenabbau tatsächlich zu einen nachhaltigen Nachfrage-Rückgang und gegebenenfalls Preiskorrekturen führen werden, muss seriöser Weise abgewartet werden. Bei Fragen rund helfen wir Ihnen selbstverständlich weiter und beraten Sie gern!

Lars Pillau, selbstständiger Immobilienmakler der BVBI

Berliner Volksbank Immobilien
Tel.: 030 56 55555-0
Mail: info@bvbi.de
Web: www.bvbi.de

Quellenangabe:
1 Bundeszentrale für politische Bildung, Mikrozensus 2011 und Statistisches Bundesamt 2019
 2 ifo Institut 02.06.2020 Zahlen für Mai 2020
3 Civey-Befragung vom 01.06.-15.06.2020, 10.006 Befragte
4 Civey-Befragung vom 16.05.-15.06.2020, 5.007 Befragte

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