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August 2020: Nach Rekordeinbruch der deutschen Wirtschaft sinken die Bauzinsen

August 2020: Nach Rekordeinbruch der deutschen Wirtschaft sinken die Bauzinsen
Entwicklung der Bauzinsen im August 2020 Foto von: anncapictures on Pixabay

Bauzinsen nähern sich ihrem historischen Tiefstand

Bauzinsen sinken weiter: keine Trendwende in Sicht

Nach dem Rekordeinbruch auf 0,2 Prozent im März 2020 pendelte sich der Bestzins für eine 10-jährige Zinsbindung ab Mai 2020 bei rund 0,4 Prozent ein und bewegte sich lange Zeit nur minimal. Am 30. Juli gab das Statistische Bundesamt die Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes (BIP) im zweiten Quartal 2020 bekannt. Das Ergebnis: Noch nie ist die deutsche Wirtschaft so stark geschrumpft wie zwischen April und Juni 2020, die Corona-Pandemie verursachte einen Rekordeinbruch von rund 10 Prozent. Die Bauzinsen gaben in der darauffolgenden Woche auch noch einmal nach und fielen mit 0,32 Prozent auf den tiefsten Wert seit dem Beginn der Krise im März. „Die Renditen der Pfandbriefe liegen aktuell fast wieder auf ihrem Allzeittiefstand“, beobachtet Michael Neumann, Vorstandsvorsitzender der Dr. Klein Privatkunden AG. „Viele Banken refinanzieren langfristige Kredite wie Baufinanzierungen über Pfandbriefe und daher orientieren sich auch die Bauzinsen an deren Rendite. Die Corona-Krise und ihre Folgen werden uns noch längere Zeit begleiten, auf Sicht der nächsten Monate sehe ich daher keine nachhaltigen Zinssteigerungen. Kurzfristige Schwankungen sind allerdings nicht ausgeschlossen“, so Neumann weiter. 

Niedriger Zins, lange Rückzahlung? Die Tücken der günstigen Konditionen

Auch längere Zinsbindungen bleiben günstig und deuten weiterhin auf ein langfristig niedriges Zinsniveau hin. Bei Darlehen mit 20 Jahren Zinsbindung liegt der Bestzins mit 0,93 Prozent weiterhin unter der 1-Prozent-Marke, die Anfang 2020 zum ersten Mal in der Geschichte durchbrochen wurde. 15-jährige Darlehen erhalten Kreditnehmer zu einem Bestzins von 0,66 Prozent. Für Immobilienkäufer und Bauherren haben diese historisch günstigen Finanzierungsmöglichkeiten auch einen Haken: „Viele Menschen glauben, dass sie bei günstigen Zinsen auch schneller schuldenfrei sind. Doch das Gegenteil ist der Fall: Ein Darlehen mit niedrigem Zinssatz läuft bei gleicher anfänglicher Tilgungsrate deutlich länger als eines mit hohem Zins“, erklärt Michael Neumann. Dieses Phänomen nennt sich in der Fachsprache Tilgungsparadox. Zinsexperte Neumann rät daher: „Darlehensnehmer sollten die günstigen Zinsen nicht für eine geringere Monatsrate, sondern für eine höhere anfängliche Tilgung nutzen. Mindestens zwei, besser drei Prozent sind empfehlenswert, um das Darlehen schnell zurückzuzahlen und das Tilgungsparadox zu umgehen.“

Nach Rekordeinbruch: Bundesregierung beschließt neue Corona-Hilfen

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch einigten sich Union und SPD auf neue Maßnahmen, um die angeschlagene deutsche Wirtschaft weiter zu unterstützen. Unter anderem können Arbeitnehmer das Kurzarbeitergeld nun für 24 anstatt 12 Monate beziehen und von der Krise besonders betroffene Firmen erhalten noch bis Jahresende Überbrückungshilfen. Michael Neumann beurteilt das Krisenmanagement in Deutschland insgesamt positiv: „Das Kurzarbeitergeld hat sich auch in dieser Krise bewährt und den Anstieg der Arbeitslosigkeit abgeschwächt. Eine Verlängerung ist meiner Meinung nach sinnvoll und gut investiertes Steuergeld. Im Sinne aller Steuerzahler wäre perspektivisch allerdings eine differenziertere Herangehensweise wünschenswert.“ Aktuell handele die Regierung vor allem nach dem Motto ‚Viel hilft viel‘ und die massive staatliche Unterstützung halte unter Umständen auch nicht wettbewerbsfähige Unternehmen künstlich am Leben. „Ich würde mir eine zielgerichtete Unterstützung von gesunden Unternehmen mit Zukunftsperspektive wünschen. Hier könnten beispielsweise die Banken in die Verantwortung genommen werden, indem sie am Risiko beteiligt werden, wenn sie Unternehmen Mittel der staatlichen KfW-Bank zusagen“, so der Vorschlag Neumanns.

Insgesamt blickt Michael Neumann verhalten positiv auf die weitere Entwicklung: „Ich bin überzeugt, dass Deutschland gute Chancen hat, wirtschaftlich als ein Gewinner aus der Krise zu gehen. Ich erwarte schon im laufenden Quartal eine kräftige Erholung der Konjunktur. Das Vor-Corona-Niveau wird aber vermutlich nicht vor 2022 erreicht.“

US-Wahl: Wie der amerikanische Präsident die Märkte beeinflusst

Bald wählen die USA ihren Präsidenten. Nachdem Donald Trump lange als Favorit galt, hat Joe Biden im Zuge der Corona-Pandemie an Beliebtheit gewonnen und liegt in Umfragen mittlerweile vor Amtsinhaber Trump. Egal wie die Entscheidung letztendlich ausgeht, sie wird in jedem Fall Auswirkungen auf die Finanzmärkte haben. Der Sieg von Donald Trump im Jahr 2016 war damals von der Mehrzahl der Meinungsforscher für höchst unwahrscheinlich eingestuft worden und kam daher überraschend für die Börsen. In der Folge ging es nach der Wahl sehr turbulent auf den Aktienmärkten zu. Die Statistik der letzten Jahrzehnte deutet darauf hin, dass demokratische Präsidenten insgesamt besser für die Märkte sind als republikanische: Unter Barack Obama und Bill Clinton zogen die Kurse stärker an als unter der Regentschaft von Trump oder George W. Bush. „Nach der Unberechenbarkeit von Donald Trump wäre es für die Märkte bereits ein Fortschritt, wenn die USA wieder einen rationalen Präsidenten hätten, der auf internationale Zusammenarbeit anstelle von nationalen Alleingängen setzt und globale Probleme wie den Klimawandel angeht“, so die Einschätzung von Michael Neumann.

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    Quelle: Dr. Klein Privatkunden AG

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