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Hausbau-Tipps

Vom Frachtcontainer zum Wohnzimmer – Wie wohnen im Seecontainer salonfähig wird

Vom Frachtcontainer zum Wohnzimmer
Vom Frachtcontainer zum Wohnzimmer

In Großstädten wird der Wohnraum immer knapper, Baukosten werden immer unkalkulierbarer und Industrial Design gilt längst nicht mehr nur als Notlösung in der Studenten-WG. Was läge also näher, als auch bei den Baumaterialien auf kosteneffiziente und industrielle Lösungen zurückzugreifen.
Eine interessante Alternative zum klassischen Hausbau bieten hier ausgemusterte Seecontainer, die eignen sich aus verschiedenen Gründen besonders gut: Sie sind wetterbeständig, modular und vergleichsweise günstig.

Wie so eine Wohnlösung aus Seecontainern aussehen kann, haben Architekten bereits in Konzepthäusern erarbeitet.

Mein Heim ist die See – Wie Seecontainer günstig zum Hausersatz werden

Seecontainer sind auch für Endverbraucher vergleichsweise günstig, sie werden in großen Mengen in Asien hergestellt und kosten rund 1.000,- bis 3.000,- Euro. Preisliche Unterschiede werden vorrangig durch die Abnutzungserscheinungen verursacht. Grundsätzlich werden gebrauchte Seecontainer in zwei Abnutzungsgruppen unterteilt: „gebraucht“ und „wie neu“/“neuwertig“.
Neuwertige Container weisen meist nur kleinere Lackschäden auf, das lässt sich leicht ausbessern oder wird mit der gesamten Containerfassade überstrichen oder verkleidet. Der Zustand „gebraucht“ weist dagegen auf stärkere Schäden oder Dellen hin, oft leidet auch die Korrosionsbeständigkeit unter den Gebrauchsspuren und Rost kann die Folge sein.

Da die Seecontainer aus verständlichen Gründen genormt sind, lassen sich auch mehrere Container ohne weitere Schwierigkeiten stapeln oder erlauben einen bequemen Anbau. Lediglich Türen und Klappen müssen dann eingefräst werden und Treppen sind gegebenenfalls vonnöten.

Die übliche Containergröße bemisst 20-Fuß in der Länge, was etwa 6,10 Meter entspricht. Auch 40-Fuß-Container sind in größeren Mengen erhältlich. Mit 2,40m Breite und 2,60m Höhe sind die Innenmaße natürlich eher gemütlich, sogenannte High Cube-Container weiten den Innenraum zumindest in der Höhe auf 2,90m aus, was schon dicht an deutschen Altbau herankommt.

Neben dem Kauf sollten Interessenten außerdem beachten, dass der Container noch zu ihnen gebracht werden muss und dass (je nach Bundesland) eine Baugenehmigung anfällt. Hier lohnt sich ein Blick in die Landesbauordnung, um sicherzugehen, dass alle Bestimmungen eingehalten werden. Wann ein Seecontainer genehmigungsfrei sein kann, richtet sich nach der Größe des Innenraums in Kubikmetern, bundesweit einheitliche Bestimmungen gibt es hierfür allerdings nicht.

Selbst mit allen einberechneten Kosten sind Container in der Rohbauversion höchst erschwingliche Eigenheime, die robust und korrosionsbeständig sind, sie können modular ergänzt und/oder ausgebaut sind und im Falle eines Umzugs können Familien ihr Haus sogar (wie in den USA üblich) mitnehmen.

Neben der Möglichkeit, den Seecontainer umzubauen, bieten spezialisierte Baufirmen wie Conhouse die Containermaße, bauen aber aus anderen Materialien. Hier lassen sich dann auf Containergröße genormte, fertig gedämmte und ausgebaute Häuser erwerben. Das wiederum ist natürlich teurer als der Ausbau eines ausgemusterten Seecontainers.

Design, Architektur und industrielle Wertigkeit

Wohncontainer Hannover hochkant.jpg
Von Foto: Axel Hindemith / , CC BY-SA 3.0, Link

Natürlich erfordert auch der best erhaltene Seecontainer ein wenig Arbeit, eher er wirklich Heim genannt werden kann. Doch Architekten und Designer haben an cleveren Lösungen gearbeitet, die aus Seecontainern vollwertige Häuser machen.

Zunächst einmal wären da natürlich die technischen Voraussetzungen. Hierzu zählen nicht nur Wasser-, Gas- und Stromanschluss, sondern auch eine entsprechende Dämmung. Fenster und Türen müssen zunächst einmal in den Container gesägt werden, große Fenster bieten hierbei die beste Vorsorge gegen Klaustrophobie, auch ganze Glaswände sind durchaus eine reizvolle Variante.

Die Dämmplatten an den Wänden sollten mindestens 120mm dick sein, für den Boden empfehlen sich PE-Folie und Fußbodendämmmaterialien. Außerdem sollte unbedingt auf eine fachgerechte Abdichtung der Türen und Fenster geachtet werden. Bewohner von Seecontainern sollten allerdings darauf acht geben, ausreichend zu lüften. Von Hause aus sind die Seecontainer nämlich luftdicht, was leicht zu Schimmel führen kann.

Als Heizung empfiehlt sich eine schnell heizende Warmluftheizung, dies erfüllt die Wärmeverordnung des deutschen Baurechts.

Der Boden kann dabei ganz einfach und pflegeleicht mit PVC- oder Teppichware verklebt werden. Teppich bietet natürlich zusätzliche Wärmeeigenschaften, optisch ist jedoch ein schöner Parkettboden deutlich attraktiver. Auch eine Holzverkleidung der Wände schafft es, den industriellen Look des Containers mit wohnlicher Countryhouse-Ästhetik zu verbinden. Helle Holzarten wie Fichte oder Kiefer sind hierfür ideal, sauber abgeschliffen und mit harzreichen Hartölen behandelt erhält der Innenraum so einen rötlichen Holzschimmer.

Mit Solarpanelen und LED-Leuchten wird der Seecontainer im Innenraum nicht nur wohnlich hell, sondern auch zu einer ökologischen Oase. Effiziente Solarpanele und -speicher können einen Container nahezu autark machen, eine Wasseraufbereitungsanlage und Grauwasserspeicher helfen zusätzlich bei der Energiebilanz des neuen Containerhauses.

Ergänzt durch Stelzen und Stufen aus unverputztem Beton, einer Terrasse aus geölten Euro-Paletten, Gittertreppen und Stahlgeländern bleibt der Look der Seecontainer erhalten und der Charme des Industrial Design ergibt ein schlüssiges Wohnkonzept.

Sind die Container entsprechend gut erhalten, so entfällt oft sogar der zusätzliche Anstrich und der unebene Lack und die Transportkennziffern verstärken den Stil der Container nur noch.
Neben einigen sehr leicht wirkenden Containerkonzepten auf Stelzen, muss für einen Parterre-Container jedoch ein Fundament gelegt werden. Andernfalls droht das Containerhaus abzusacken. Eine verdichtete Kiesschicht, PE-Folie und eine Perimeterdämmung schützen den Container zusätzlich vor dem Auskühlen, Beton bietet zusätzlich die notwendige Härte.

Interessierte finden auf containerbasis.de/blog/wohnen/containerhaus-top-6/ einige Designkonzepte, mit denen Architekten es geschafft haben, aus Seecontainern wunderschöne Häuser zu errichten, die sich nicht nur in die Umgebung einpassen, sondern durch ihre flexiblen Anordnungen auch ganz unterschiedlichen Ansprüchen gerecht werden.

Was in Deutschland langsam zum Trend wird, hat Amsterdam etwa bereits vorgemacht. Dort wurden Seecontainer in großen Mengen genutzt, um eine ganze Studentenstadt zu bauen. Bad, Toilette, Küche, 50-Liter-Tank und Boiler-System stehen in den 33 Kubikmetern Wohnfläche zur Verfügung.

Wohnen wie die Fracht

Seecontainer aber eignen sich nicht nur für das schicke Wohnen im Vorort, sie können auch zu einer echten Alternative in Städten mit angespannten Wohnlagen sein. Hier finden etwa Studierende schnell beziehbare Eigenheime, auch humanitäre Krisen können mit modularen Wohnmöglichkeiten aus Seecontainern abgefedert werden. Selbst als Gartenlaube bietet der Seecontainer alle Vorzüge des robusten Außenmaterials und paart diese mit dem modernen Schick von Industrial Design.

Mit überschaubaren Gesamtkosten sind auch größere Häuser kostensparende Lösungen zum klassischen Hausbau. Zumal Seecontainer für die meisten Arbeiten kaum mehr als einen geübten Handwerker erfordern und sich so auch größere Hauskonzepte relativ problemlos selbst bauen lassen – sobald die Container erst einmal vom Kran in die richtige Anordnung gehievt wurden.

lternativ können Wohncontainer auch bereits fertig ausgestattet gekauft werden, wie z.B. auf Marktplätzen wie Ebay oder https://www.containerbasis.de/wohncontainer/.Und da der Container jeden Ortswechsel problemlos mitmacht, bleibt dieses Haus ein Leben lang an der Seite des stolzen Bauherren.

1 Kommentar

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  • Hallo

    Danke für diesen wertvollen Beitrag. Besonders interessant finde ich dass sich auch größere Hauskonzepte relativ problemlos selbst bauen lassen. Wie sieht es denn mit den Wänden aus, gibt es hier eine spezielle Form der Dämmung?

    LG

Helma Wohnungsbau

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