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Rohbau Erdgeschoss

Alltagserfahrungen privater Bauherren Teil 4:

Bevor der Kontrollgang beginnt, werfen Bauherren und Bauherrenberater noch einen Blick auf die Bauzeichnung. Der Erdgeschossrohbau lässt die künftige Raumlandschaft erkennen. Bevor der Kontrollgang beginnt, werfen Bauherren und Bauherrenberater noch einen Blick auf die Bauzeichnung. Der Erdgeschossrohbau lässt die künftige Raumlandschaft erkennen.

Keine Qualitätskontrolle ohne Beanstandung

Bauherrenberater Weidemüller erläutert, dass die Trennwand aus statischen Gründen statt aus Porenbeton aus Kalksandstein gemauert werden muss. Foto: BSB e.V.

Bauherrenberater Weidemüller erläutert, dass die Trennwand aus statischen Gründen statt aus Porenbeton aus Kalksandstein gemauert werden muss. Foto: BSB e.V.

Familie Burseg hatte in der Nähe ihres Wohnortes Berlin-Mahlsdorf ein Grundstück mit unterkellertem Haus (Kriechkeller) und Garage gefunden, das verkauft werden sollte. Die Eigentümer gingen davon aus, dass das Haus von einem Nachfolger bezogen werden kann, mussten aber zur Kenntnis nehmen, dass die Kaufinteressenten völlig andere Vorstellungen von ihrem künftigen Zuhause hatten. Es bedurfte langwieriger Verhandlungen, um sich handelseinig zu werden. Das alte Haus wurde abgerissen, um Platz für das gewünschte neue zweigeschossige Einfamilienhaus ohne Keller zu haben, das auf einer Stahlbeton-Bodenplatte mit umlaufendem Streifenfundament (Frostschürzen) stehen und Wände aus Porenbeton-Mauerwerk erhalten sollte. Das abgewalmte Satteldach sollte mit engobierten Tondachziegeln gedeckt werden. „Wir hatten ganz schön zu tun, um die richtigen Firmen zu bekommen und um Baufreiheit auf dem Grundstück zu schaffen“, resümiert Bauherr Burseg. „Denn zusätzlich zum Abriss musste auch der Boden laut Bodengutachten 1,50 m ausgehoben, neu verfüllt und verdichtet werden. Danach brauchten wir den Nachweis vom Erdbauer, damit der Statiker grünes Licht für den Neubau geben konnte. Das alles und die Koordinierung der Firmen gehörte zu unseren Eigenleistungen“.

Bei Wahl der Baufirma auf Sicherheit bedacht

Das Leerrohr für die Trinkwassereinspeisung ist 50 cm von der Außenwand entfernt und damit falsch positioniert. Entsprechend der Einbaurichtlinien der Berliner Wasserbetriebe ist eine Neuverlegung unumgänglich. Foto: BSB e.V.

Das Leerrohr für die Trinkwassereinspeisung ist 50 cm von der Außenwand entfernt und damit falsch positioniert. Entsprechend der Einbaurichtlinien der Berliner Wasserbetriebe ist eine Neuverlegung unumgänglich. Foto: BSB e.V.

„Aus früheren eigenen und familiären Erfahrungen war uns die Materie Bauen und Sanieren nicht ganz unbekannt. Vielleicht hat uns das geprägt und dazu geführt, dass wir sehr auf Sicherheit bedacht sind. Deshalb haben wir uns lange und gründlich mit unserem Bauvorhabe beschäftigt, bevor wir uns entschieden. Wir haben uns im Bau befindliche Häuser angeschaut, mehrere Angebote eingeholt, verglichen und prüfen lassen. Schließlich kostet uns das Wohneigentum eine Menge Geld.“. Nachdem Bursegs aus der Vielzahl der Anbieter eine Baufirma ausgewählte hatten, ließen sie das Vertragsangebot vom Berliner Vertrauensanwalt Ralf-Peter Rose vom Bauherren-Schutzbund e.V. (BSB) prüfen, der darin nicht mehr und nicht weniger als 20 Punkte bemängelte. Unter anderem sollten die Bauherren die Auszahlungsansprüche für das Baudarlehen an die Firma abtreten. „Das haben wir natürlich nicht gemacht“, so der Bauherr. “Die unfreundliche Behandlung des Geschäftsführers haben wir ertragen und uns für eine andere Firma entschieden.“

Von Anfang an Wert auf Qualitätskontrolle gelegt

Die rote Markierung ist für alle Gewerke ein verbindlich festgelegter Höhenpunkt zur maßgenauen Anordnung der einzelnen Schichten des Fußbodensaufbaus sowie der endgültigen Oberkante des Fußbodenbelages. Deshalb muss die Maßgenauigkeit nochmals kontrolliert werden. Foto: BSB e.V.

Die rote Markierung ist für alle Gewerke ein verbindlich festgelegter Höhenpunkt zur maßgenauen Anordnung der einzelnen Schichten des Fußbodensaufbaus sowie der endgültigen Oberkante des Fußbodenbelages. Deshalb muss die Maßgenauigkeit nochmals kontrolliert werden. Foto: BSB e.V.

„Um ruhiger schlafen zu können und die Gewissheit zu haben, für unser Geld zu bekommen, was wir uns vorgestellt und geplant hatten, legten wir auf die Kontrolle der Bauqualität von Anfang großen Wert.“

Nachdem BSB-Bauherrenberater Ludger Weidemüller die Bau- und Leistungsbeschreibung geprüft hatte, vereinbarten Bauherren und Bauherrenberater aus dem Angebot der BSB die baubegleitende Qualitätskontrolle. Die darin enthaltenen einzelnen Kontrollbausteine betreffen das Fundament, Rohbau Erd- und Obergeschoss, Dacheindeckung und -dämmung, Fußboden und Fußbodenheizung, Trockenausbau und schließlich die Abnahme. „Ich führe die vereinbarten Kontrollen nur im Auftrag und in der Regel im Beisein der Bauherren oder ihres bestellten Vertreters durch. Eine eigenständige Kontrolle und terminliche Koordinierung durch mich erfolgt nicht“, so Bauherrenberater Weidemüller.Anwesend sollte in der Regel auch ein bevollmächtigter Vertreter der bauausführenden Firma sein.

Diese Verfahrensweise garantiert, dass zum Zeitpunkt der Begehung alle Beteiligten zum jeweiligen Kontrolltermin auf der Baustelle anwesend sind. So könnenProbleme und Mängel erkannt, besprochen und durch die bauausführende Firma zur Kenntnis genommen und zeitnah beseitigt werden. „Diese Festlegung finden wir gut. Damit haben alle am Bau beteiligten den gleichen Wissensstand. Obwohl wir um die Ecke wohnen und jeden Tag einen Blick auf das Baugeschehen werfen, fehlen uns die notwendige Fachkompetenz und Praxiserfahrung, um die Qualität bestimmter Leistungen zu bewerten – auch wenn uns der Bauherrenberater vorher schon so manchen Tipp gegeben hat, worauf wir achten sollen.“

Kleine Details mit großer Bedeutung

Bauherrenberater Weidemüller kontrolliert und dokumentiert an verschiedenen Stellen die Betonüberdeckung der Bewehrung. Für die Ausführung, Begutachtung und Bewertung der Geschossdeckenbewehrung sind der Statiker und der Verfasser der statischen Berechnungen verantwortlich.

Bauherrenberater Weidemüller kontrolliert und dokumentiert an verschiedenen Stellen die Betonüberdeckung der Bewehrung. Für die Ausführung, Begutachtung und Bewertung der Geschossdeckenbewehrung sind der Statiker und der Verfasser der statischen Berechnungen verantwortlich.

Bursegs Haus nimmt immer mehr Gestalt an. Küche und Wohnzimmer mit Zugang zum Garten sind weit gediehen. Bauherrenberater Weidemüller erläutert bei einem Rundgang durch den Erdgeschossrohbau wichtige Details. Beispielsweise verweist er auf die roten Markierungen an den Wänden, die in einem Meter Höhe über dem Fertigfußboden angebracht sind (Foto 4 und 4a). Sie gelten für jedes auf der Baustelle tätige Gewerk als verbindliche Festlegung eines einheitlichen Höhenpunktes. „Das hat die Firma gut gemacht. Oft sieht man nur Bleistiftstriche. Wird verputzt, sind diese Hilfsstriche verschwunden“, so Weidemüller. Der nächste Hinweis geht in Richtung Bauherren, die in Eigenleistung Malern und Tapezieren wollen. „Beachten Sie, dass die Steine noch feucht sind und schwinden. Der Fugenkleber, mit dem die Steine in den Lagerfugen miteinander verklebt werden, trocknet schneller als die Steine, und es kann zu feinen Haarrissen im Mauerwerk kommen, die sich dann auch im Putz abzeichnen können. Ich empfehle deshalb in der Regel auf einen Anstrich unmittelbar auf den Wandputzflächen zu verzichten und die Wände entweder zu tapezieren oder vor dem Anstrich die Wandputzflächen mit einem Maler-/Glasvlies zu beschichten.“

Beim weiteren Gang durch das rohbaufertige Erdgeschoss wundern sich die Bauherren über eine Wand aus Kalksandstein statt Porenbeton in der Mitte des Raumes. Die Erklärung liefert Bauherrenberater Weidemüller prompt. „Da Sie eine große Öffnung zum Obergeschoss haben, ist der Materialwechsel aus statischen Gründen notwendig. Die Lasten kommen in der Mitte des Raumes an und müssen abgefangen werden. Problematischer ist der Anschluss von Kalksandstein an Porenbeton. Beim Putzen muss an dieser Stelle Gewebe eingearbeitet werden, da beide Baustoffe unterschiedlich trocknen und schwinden und es auch hier zu Rissen kommen kann, was die Bauleute wissen sollten – ansonsten müssen wir es ihnen sagen.“

Lobend erwähnt Bauherrenberater Weidemüller die ordentlich gemauerten Wände. Diverse kleinere Ausbruchstellen sind ausgespachtelt, Wandmaterial und Fertigteilstürze über den Tür- und Fensteröffnungen sind aus gleichem Material. Dadurch ist eine mögliche Rissgefahr erheblich gemindert. Allerdings ist eine Vertikalfuge im seitlichen Anschluss eines Fertigteilsturzes nicht geschlossen. Der Bauleiter ist schnell zur Stelle und weist seine Mitarbeiter zur Nachbesserung an. Was den Bauschaum in den Fugen der Decke zum Obergeschoss betrifft, beruhigt Weidenmüller die Bursegs. Er hat die Aufgabe zu verhindern, dass beim Schütten der Betondecke der Beton über offene Montagefugen ins Erdgeschoss läuft.

Im Baustellenprotokoll hält Bauherrenberater Weidemüller fest: „Die Rohbau-Raumabmessungen und Wandöffnungen (Fenster und Türen) wurden per Kontrollmessung überprüft. Die Kontrollmessung ergab keine Projektabweichungen und keine Abweichungen, welche die zulässigen Toleranzen nach DIN 18202 überschreiten. Am hergestellten Mauerwerk der Außen- und Innenwände aus Porenbeton-Mauerwerk wurden visuell keine Mängel festgestellt.

Leerrohr falsch eingebaut, Deckenbewehrung nachbessern

49 Prozent der Mitglieder des Bauherren-Schutzbundes e.V. bescheinigten in der Umfrage 2015, dass ihnen beim Hausneubau der energetische Standard und die Verwendung ökologische Baustoffe wichtig sind.

49 Prozent der Mitglieder des Bauherren-Schutzbundes e.V. bescheinigten in der Umfrage 2015, dass ihnen beim Hausneubau der energetische Standard und die Verwendung ökologische Baustoffe wichtig sind.

Beanstandet wurden die Positionierung des Leerrohres für die Trinkwassereinspeisung im Hausanschlussraum und die zu geringe Betonüberdeckung der Deckenbewehrung in den Deckenrandbereichen.Der Leerrohrbogen für die Trinkwassereinspeisung verläuft von außen durch die Bodenplatte in den Hausanschlussraum. Er ist maßlich verrutscht oder falsch eingebaut und das Rohrbogenende steht in die Türöffnung (Foto 3). Abgesehen davon, dass durch die falsche Anordnung die Tür sich nicht öffnen lässt, geben die Berliner Wasserbetriebe für die Lage des Leerrohres Maße vor, um die Anschlussarmatur des Trinkwasser-Hausanschlusses vorschriftsmäßig innen an der Außenwand installieren zu können. Der Bauleiter ordnet an, dass seine Leute von außen aufzugraben und innen aufzustemmen haben, um das Rohr neu zu verlegen. Die Kontrolle der Deckenbewehrung ergab, dass die erforderliche Betonüberdeckung der Bewehrungseinlagen in den Deckenrandbereichen nicht immer gegeben ist. Um dem abzuhelfen, soll vor dem Betonieren der Geschossdecke die Bewehrung entsprechend nachgebessert bzw. nachgerichtet werden.Insgesamt hinterlässt der Rundgang durch den Erdgeschossrohbau bei den Bauherren einen guten Eindruck.

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